61 So fing es an


65 Früh übt sich


81 OWK in Kyoto


84 Diabolus


84 Mit Rolf in LA


89 Hochzeitsglocken läuten


89 Auf der Chacra in Peru



04 Chor St. Sebastian mit Kids



10 In der weiten Welt


10 Family im Dschungel


14 Kreativtour mit Dagmar




So war es und so ist es

Im Wonnemonat Mai im Jahre 1961 (nur 16 Jahre nach dem letzten Weltkrieg) erblickte ich als einziges Kind meiner geliebten Eltern im hessischen Dieburg, im katholischen Krankenhaus St. Rochus, das Licht der Welt. Bereits am zweiten Tage meines Lebens wurde meine Zwangstaufe von Seiten der katholischen Obrigkeit durchgeführt und während mein Taufpate auf dem Bieberer Berg seinen geliebten Kickers Offenbach zujubelte, erzeugte ich meine ersten lauten Töne im Angesicht der drohenden Dusche mit eiskaltem Weihwasser.
Die glücklichen Jahre meiner Kindheit verbrachte ich vorwiegend mit meinem linken Ohr vor Musikboxen, Schallplattenspielern und antiquarischen Radiogeräten. Ich genoss und liebte jede kleine Note, die ich aufsaugen konnte. Heute ist mein linkes Ohr leider etwas geschädigt. Den Grundstein für eine lebenslange Berufskrankheit hatte ich gelegt.
Ja, ich liebte es, laute Töne zu erzeugen. Ich liebte es, zu singen, was ich bei diversen Veranstaltungen, Festen und Feiern immer wieder gerne unter Beweis stellte, bis der Stimmbruch mir einen Strich durch die Rechnung machte.
Im zarten Alter von vier Jahren kauften mir meine Eltern ein Kinderklavier aus dem Quelle-Katalog, und just in diesem Moment verliebte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben.
"Ebony and Ivory" faszinierte mich, noch bevor ich einen Satz lesen oder schreiben konnte.
Meinen ersten „richtigen Klavierunterricht“ auf einem echten Instrument mit 88 Tasten bekam ich im Alter von neun Jahren von Franz Müller, der mir auf wunderbare Weise die ersten Grundbegriffe beibrachte und auch nichts dagegen einzuwenden hatte, wenn ich fröhlich anfing zu improvisieren.

1973 wechselte ich in die damalige Abteilung Konservatorium an die Akademie für Tonkunst nach Darmstadt, wo ich mich noch heute (also seit nunmehr 42 Jahren!) Woche für Woche mit der schönsten Sache der Welt beschäftige: der Musik.
Nun war aber erst einmal Schluss mit dem modernen Pop- und Jazzkram, den ich doch so furchtbar liebte. Ich wurde durch endlose Czerny Etüden und Bach Inventionen gequält und wenn’s dann mal etwas Modernes sein sollte kam Bartoks Mikrokosmos ins Spiel.
Für einen zwölfjährigen Buben vom Land war das schon eine ziemliche Herausforderung.
Aber ich hielt durch!!!
Heimlich lauschte ich weiter den Beatles und den Who, hörte mir die Akkorde raus und spielte leidenschaftlich am Klavier und auf der Gitarre mit.
Eine Band musste her.
Nachdem ich mich seit meinem vierzehnten Lebensjahr in diversen Jam Sessions durch die Siebziger gespielt hatte machte ich zusammen mit vier jungen Herren 1979 Nägel mit Köpfen:
"Diabolus in Musica", später verkürzt in "Diabolus" wurde gegründet und spielte in diversen Besetzungen über sechs Jahre lang in Jugendzentren, Clubs, auf Feten und Festen und überall dort, wo gute hausgemachte Rockmusik gefragt war.
Die Liste meiner Mitmusiker ist sicherlich nicht komplett, die folgenden Freunde und Kollegen möchte ich aber trotzdem nennen:
Anselm Wild (begann als vierzehnjähriger Bub), Thomas Gust, Johnny Neumann, Norbert Kuls, Rolf und Klaus Bussalb, Udo Lenz, Harald Heinl, Jojo Dobler und nicht zu vergessen das musikalische Allroundtalent Gerald "Jagger" Jäger.
Nach 13 langen Schuljahren saß ich 1980 in meiner mündlichen Abitursprüfung und pianierte mit Beethovens Sturm-Sonate op. 31/2 fünfzehn Punkte, was meinen Gesamtabischnitt deutlich verbesserte.
Irgendwann im August des gleichen Jahres formierte sich ein kleines Häuflein sangesfreudiger Jugendlicher, nannte sich kurzentschlossen "Hand und Herz" und begeisterte mit einem Auftritt bei einem Sakropop Festival in Froschhausen. Das waren die Anfänge des "Jugendchores St. Sebastian Eppertshausen", den ich bis zum heutigen Tag leite.
Der Chor wuchs und reifte, genau wie seine Mitglieder und irgendwann in den Neunzigern musste dann die "Jugend" aus dem Chorwort aus gutem Grund gestrichen werden. Mittlerweile hat sich unser Chor mit Hunderten von Auftritten, 5 Musicals und 5 CD's in viele Herzen im In- und Ausland gesungen.
Nach dem Abitur leistete ich zunächst knapp 2 Jahre Zivildienst und schrieb mich anschließend an der Uni Frankfurt für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft ein.
Auf einer Japantour mit dem Mandolinenorchester des OWK Eppertshausen entdeckte ich im April 1981 meine zweite große Leidenschaft: Das Reisen.
Bis zum heutigen Tag hat die Lust, fremde Länder, Menschen und Kulturen kennenzulernen nicht nachgelassen. . .
1983 und 84 verbrachte ich mehrere Wochen in den USA und in Israel. Ich war ständig auf der Suche . . .
Seit April '84 weiß ich, was es bedeutet, wirklich glücklich zu sein, bin ich für jeden neuen Tag dankbar, den ich an der Seite meiner Frau Bettina verbringen darf.
Sie ist meine Inspiration, meine Stütze und Halt, meine Kraft und mein Leben.
Nach einem sensationellen Sommer in LA stand ich vor der Entscheidung, mein Musikstudium in den USA fortzusetzen oder von Frankfurt an die Akademie für Tonkunst nach Darmstadt zu wechseln, um bei Prof. Grigory Gruzman ein Klavierstudium zu beginnen. Es entschied mich für die zweite Option und hatte mit Grigory "Grischa" den besten Lehrer und Mentor, den man sich überhaupt vorstellen kann.
1988 beendete ich mein Studium als staatlich geprüfter Musiklehrer und schloss noch ein KA-Studium an.
In der Zwischenzeit hatte sich "Diabolus" aufgelöst und mit den Kommilitonen Manfred Kurtenbach, Ully Leonhard, Peter Werner und meinem alten Freund Jojo Dobler gründeten wir die erste Studentenband der Akademie "Boys'n Toys".
Die Härte der Berufswelt begann für mich am 1.11.1988 mit einer halben Stelle an der damaligen Jugendmusikschule und einer halben Vertretungsstelle am damaligen Konservatorium der AFT Darmstadt.
Mit einem kleinen Volksfest feierten wir im Juli 1989 unsere Hochzeit und entflohen dann für einige Wochen zu unserer zweiten Familie nach Arequipa in den Süden Perus.
Anfang der Neunziger war ich für kurze Zeit ohne Band. Aus räumlichen Gründen hatten sich "Boys'n Toys" leider aufgelöst. Ich konnte also einen Aushilfsjob bei den "Glittertwins - der heißesten Stones-Show des Universums" annehmen und fuhr völlig unbedacht nach Wiesbaden in die Probe.
Bis heute spielen wir zusammen!



Ich scheine also ein beständiger Mensch zu sein:
Band, Chor und Akademie . . . und noch kein Ende in Sicht.
Seit über 40 Jahren schreibe ich Stücke und produziere Musik in den verschiedensten Stilrichtungen. Ich bin dankbar für jede neue Note die mir einfällt und dafür, dass mir die Gabe der Kreativität geschenkt wurde und ich sie so reichlich nutzen darf.
Ich danke der gewaltigen Kraft der Musik!
Ich danke Bach, Beethoven, Brahms, den Beatles, Pete Townshend, Mick und Keith, Stevie Wonder, Ray Davies, Pink, Ben Folds und Elliott Smith und vielen weiteren wunderbaren Komponisten und Musikern für Inspiration und die Stücke, die aus mir einen glücklichen Menschen machen.
Ich danke meinen Freunden und wunderbaren Kollegen, dass sie mich nie im Stich gelassen haben.
Ich danke meiner Frau und meinen mittlerweile erwachsenen Kindern Mayely und Felix für ihre Unterstützung bei der Realisierung meiner manchmal abgefahrenen Ideen und Träume.

Ich danke Euch und Ihnen.

Dieter Müller-Herzing